Das Ende der Salamitaktik?
von Holger Breitling

Analogien zwischen IT und Bauwesen haben Konjunktur. Aus diesem Blickwinkel erscheint mir ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung (“Salamitaktik”) vom 29. März 2010 bemerkenswert.
Dort wird vom Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft berichtet, der die Kostenexplosion beim Bau der Elbphilharmonie kritisch überprüfen soll. Der Artikel stellt fest:
Dieser Untersuchungsausschuss könnte weitreichende Konsequenzen für öffentliche Bauten in Deutschland haben. Denn die parlamentarische Aufarbeitung der Kostenexplosion bei der Elbphilharmonie, die die Hamburger SPD jetzt beschlossen hat, will eine beliebte Praxis beim Bau von Renommee-Projekten beleuchten, deren Erfolg leider davon abhängt, dass sie geheim bleibt: Die Unterdrückung realistischer Kostenschätzungen von öffentlichen Bauten in der Entscheidungsphase, um die Zustimmung für spektakuläre Projekte zu erreichen.
Das Prekäre am Hamburger Untersuchungsausschuss aber sei, dass er diesen Bluff beweisen wolle, und ihm das vermutlich auch gelingen könne. In der Folge werde es in Zukunft möglicherweise ungleich schwerer, Unterstützung für das Besondere zu finden.
Gerüchteweise kommt es auch in IT-Projekten vor, dass interessierte Kreise übertrieben optimistische Schätzungen zur Grundlage von Entscheidungen machen, um “Unterstützung für das Besondere” zu finden…
Glücklicherweise (?) gibt es in diesem Umfeld aber kaum einmal Untersuchungsausschüsse.